?

Log in

No account? Create an account

April 14th, 2007

Die Woche

Ja, was hab ich die vergangene Woche so gemacht... hm, also letztes Wochenende (um Ostern) waren Luise und m_e_l_l_iMelanie bei mir, wir wollten 'nen Videoabend machen und Heroes gucken, auf meiner Schwester Laptop. Leider bin ich in Folge 5 eingeschlafen und Melanie war auch ziemlich müde, weswegen wir dann ausgemacht haben und die beiden heimgegangen bzw. -gefahren sind.

Am Dienstag wurde ich von unsrem Professor in Chinesisch böse angepflaumt, weil ich eine Frage gestellt hab. Er meinte, dies sei eine Vorlesung, kein Seminar, ich hätte Fragen doch gefälligst hinterher zu stellen. Das kann ich ehrlich gesagt nicht verstehen... er hat die ganze Zeit von den verschiedenen Arten von Opferritualen gesprochen, die es in einer Dynastie gab, und ich frug nur, welcher Art denn diese Opfer waren. War das keine berechtigte Frage? Ich war dann jedenfall 'ne Weile sauer...

Ich denke, ich werde doch nicht, wie angedacht, Mittwochs zu Historische Linguistik gehen. Vielleicht aber in einem der nächsten Semester. Phonetikanalyse war relativ langweilig, diesmal, da Herr Trommer die ganze Zeit nur erklärt hat, wie eine Welle definiert ist, mathematisch und physikalisch. Er sagte dann selbst am Ende, dass wir alle ganz gelangweilt aussähen und dass die Stunde sicher wirklich langweilig war und ihm das Leid täte. Hach. :) Es sieht allerdings so aus, als wäre die Vorlesung in 1. Linie ein Phonetikkurs fürs Grundstudium. Ich nehm da nur Teil, weil ich lernen will, wie Praat (ein Programm zur phonetischen Analyse) funktioniert — aber das wird uns von Kathrin R. im Tutorium gelehrt. Vielleicht geh ich also nur da hin.

Danach war die Semesterauftaktsparty der Linguistik. Und sie war ein voller Erfolg! In einer nicht ganz legalen Kellerlokation namens "FrühAuf" haben wir (aka Fachschaftsrat) eine Party organisiert, mit Band (Walter), DJ, Knabbergebäck, Getränken und unserem neuen FaRaLing-Stempel zur Einlasskontrolle. Ich hab mich die meiste Zeit zur Betreuung des Einlasses verpflichten lassen, wo auch Sebastian, Luise und Julia die meiste Zeit waren. Da ging's lustig zu: die Frage "Was kost'n der Spaß?" beantworten, 2 € kassieren, Stempel aufdrücken, Strich auf die Liste machen, Bandbutton aushändigen. Sogar Herr Bickel, Herr Dölling und Herr Schiering waren da. Später ist sogar Sabine mit ihren Onomastenkollegen aufgetaucht. Alles in allem war die Party ein voller Erfolg, viele waren begeistert und haben sie gelobt. Nur Herr Dölling fand es wohl nicht so toll... er schien etwas gelangweilt, aber vielleicht auch eher, weil niemand mit ihm geredet hat... hat mir etwas leid getan, der Mann.
Kurz nach 3 Uhr haben wir dann die Party so langsam beendet und die letzten Leute rausgeschmissen. Aufgrund viel zu langer Heimwege haben Luise, Julia, Lennart, Andreas S. und ich dann entschieden, im FSR-Raum im GWZ zu übernachten, Julia und ich auf'm Sofa, Lennart zwischen Stuhl und Sofalehne, Andreas auf dem Boden und Luise unter dem Tisch. Das sah vielleicht lustig aus! =)

Nach ca. 3½ Stunden Schlaf bin ich dann am Donnerstag zur Dialekte-Vorlesung von Herrn von Franz gegangen, die wieder einmal bannich interessant war. Er hat Vergleiche zwischen verschiedenen Dialekten des Mandarin aufgestellt und auch einiges mithilfe der rekonstruierten Aussprache des klassischen Chinesischs begründet. Sehr interessant! Danach hab ich mich beeilt, zum Feldforschungsmethoden-Kurs zu kommen, schließlich war ich ja diesmal dran mit Protokollieren, während Sven elizitiert hat. Hat wiedermal sehr viel Spaß gemacht; und es gab einiges an neuer Erkenntnis: Svanisch hat offenbar wie das Georgische eine Art Konsonantendisharmonie (das Gegenteil von Vokalharmonie, hehe)! Das Pluralsuffix –ar verändert sich zu –al wenn im Wort bereits ein /r/ vorkommt, beispielsweise ist von k’it’r (Gurke) der Plural k’it’ral und nicht, wie man erwarten könnte, *k’it’rar. Im Georgischen gibt's das auch mit einem Adjektivsuffix: Svanisch heißt dort svanuri, während Französisch pranguli ist. Allerdings gibt's im Svanischen auch ein paar Ausnahmen, die wahrscheinlich auf ein /l/ zurückzuführen sind, die in dem Wort irgendwann nach dem /r/ auftauchen und die Notwendigkeit der Konsonantendisharmonie (das Wort stammt von Sven, ich finde das trifft's genau!) auflöst. Dann gab's noch ein wirklich witziges Wort, nämlich die Übersetzung für 'Blatt': purcel (spr.: "purtsel"), hach, wie niedlich. Ich bin froh, dass wir so eine interessante Sprache bekommen haben! Einen weiteren Lacher gab's bei dem Wort für 'Mais': Nana antwortete mit: "Simind... das kann man kaum aussprechen." — und das nach Wörtern wie zisx (Blut), jijv (Knochen), lišdġvari (graben), mcxi (kalt), icx (Birne), k’it’r (Gurke), cxvar (Schaf) oder k’vercx (Ei). Herr Bickel meinte, dass sie dort wahrscheinlich 'ne andere Vorstellung von "unaussprechbar" hätten. :D
Achja, der Name unserer svanischen Informantin ist übrigens ნანა გირგვლიანი (Nana Girgvliani)
Danach hat Thomas G. im Typologischen Forschungskolloqium einen Vortrag über die alten Sprachen des vorderen Orients gehalten, sie scheinen wohl kein eigenes Areal für sich zu ergeben, obwohl sie sich insgesamt von der restlichen eurasischen Sprachumgebung abheben. Nunja.

Am Freitag (also gestern) war ich beim StuRa, um ein Finanzproblem wegen eines Radios zu lösen, aber leider war da schon zu, hmpf. Die haben nur bis 10 bis 13 offen und ich hatte ja Uni bis 14:00. Bin danach noch ein bisschen arbeiten gegangen.
Dank Alena ist mir jetzt bewusst geworden, dass es im Tsesischen interessante Kongruenzeffekte gibt! Verben können dort auch mit Nomen kongruieren, die sich in einem eingebetteten Nebensatz befinden. Ein Beispiel hierfür wäre der Satz "Das Mädchen hat begonnen, die Kuh zu melken." — normalerweise würde "beginnen" hier mit der VP "die Kuh melken" kongruieren, der Klasse IV, wäre. Allerdings kann es auch mit der Kuh im Nebensatz kongruieren, welche zur Nominalklasse III gehört und ein anderes Präfix verlangt.
Ich hatte davon eigentlich früher schon gelesen, aber es entweder nicht verstanden oder wieder vergessen.
Ich sollte wirklich mal anfangen, eine Liste aller möglichen Satzkonstruktionen und syntaktischer Mittel zu erstellen, das könnte meine Glossierungen vereinfachen.
Apropos! Am Montag habe ich eine Audienz bei Bernard Comrie und werde mal vorstellen, wie weit ich gekommen bin mit meinen Glossierungen und auf welche Probleme ich gestoßen bin.

Und ich war gestern noch auf der Geburtstagsfeier von Birgit S. — wir haben in der Sommerfelder Kirche gefeiert und es gab lecker Kräuterbaguettes, Dipse, Flipse, Chipse und nette, nicht zu laute, Musik. War erst ein wenig langweilig, weil ich außer Birgit, ihrem Freund und ihrer Schwester niemanden kannte... aber dann kamen gottseidank Danaé, Katrin, Anne und Franzi und ich hatte wieder wen zum Quatschen. Irgendwann hat Birgit 'ne Kassette angemacht mit einem schweizerischen Tanzkurs, bei dem man unter anderem den Zipperli-Hupf gelehrt bekam. Das hat vielleicht lustig getönt (und Spaß gemacht). =)

So. Und jetzt geht's gleich zur WG-Party von Liesa Marie, vom letzten Esperanto-Treffen. Adjunkt!

Tags:

Dialektprobe aus Thüringen

Ah, noch was... Sarah Bohl, die mit mir Linguistik studiert und aus Thüringen (Emsetal? Ruhla?) kommt, hat mir was tolles gegeben. In ihrem Dorf spricht man einen alten Dialekt, den sie zwar nicht selbst nativ spricht, dafür aber ihre Großmutter. Und in der Grundschule hatten sie mal ein Theaterstück aufgeführt und dabei kamen 2 alte Mütterchen vor, die diesen Dialekt sprachen (der wohl irgendwie ins Oberfränkische gehört). Ich finde, das hört sich wie eine Mischung aus allen deutschen Dialekten an... aber Thüringen liegt ja auch genau in der Mitte Deutschlands... Besonders interessant ist, dass die Fragewörter (warum, wie, wann/wenn, wo) mit "b" beginnen.

Anna: Nu, Melite, bu wiss dann heen?
Melite: Ich wä en Stückchen ins Längetoul.
Anna: Och, gi ha, do kosste muen au noch heen.
Melite: Borüm?
Anna: Hütt es doch Kermes för de King in Hort. Do es ümmer schüen. Gi toch e mo meet.
Melite: För mintwajen, es je egoul bou ich been.
Anna: Och Melite, bi schüen wosch fröher uff der Kermes, bu mej noch Majen worn.
Melite: Jo, do hesste Rächt. Hütt es me bover un kon monchemo nich mien gekrüch.
Anna: Ich erinner mich noch got on Ferdnanden, ich klei s wor zur Kermes nünzehnhunnertzwänzig, dä wou mich unbedingt ho. Ower ich ön nich. Der hott sunne grösse Nosen.
Melite: Jo jo, su essme, bamme jung es. Unn ich wejß noch genau, bi sellemo minne Mutter uffn Aschester sooß un alles ongeguckt häät. Ich sull Ewaudn nahm, dos wonn riche Burn. Ich honns au nich gemacht. Ower loß gut sej, itzt gemme in Hort, trinken Kaffee, essen Kuchen und frein uns öwwer de King.


Find ich total interessant... =)
Ein weiterer Satz von ihr war noch "Halepsas git's Nachpruet." (Halb 6 gibt's Abendessen).