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Kiew 2013/14 mit Jana

Inzwischen ist Mitte März und es gibt eigentlich 3 wichtige Ereignisse oder besser Reisen, über die ich schreiben sollte: Kiew, Dagestan und die Schweiz. Ich fange chronologisch an, deswegen geht es jetzt erstmal um die Ukraine...

Im letzten Jahr haben meine Freundin und ich geplant, nicht zum Esperanto-Treffen "JES" nach Polen zu fahren, aus Kostengründen und weil die Organisation dort ziemlich schwach zu sein schien, außerdem wäre das mit dem Visum für Jana schwierig geworden, also musste ein Land her, für das wir beide kein Visum brauchten und das außerdem nicht allzu teuer ist: die Ukraine. Die liegt auf halbem Wege (naja) zwischen Leipzig und Jekaterinburg, ist für Russen und Deutsche visumsfrei, man kommt dort problemlos mit Russisch zurecht und sie ist recht billig. Kiew wurde also unser Reiseziel, noch bevor dort die Revolution ausbrach...

Für etwa 10 Tage um die Neujahrszeit trafen Jana und ich uns also in Kiew. Die Nachrichten von dem Ausschreitungen auf dem Majdan beunruhigten und zwar, aber wir hörten von befreundeten Kiewern, dass es so schlimm nicht sei. Trotzdem planten wir, und vom Majdan fernzuhalten. Dass das kaum möglich ist, merkten wir erst vor Ort: es ist, als würde man versuchen, in Leipzig in die Innenstadt zu wollen, ohne den Hauptbahnhof oder den Augustusplatz zu passieren. Aber weiter im Text...
Ich kam etwas früher als Jana an und wartete auf dem Flughafen auf sie. Nach unserem herzlichen Wiedersehen machten wir und auf die Suche nach unserem Hotel – Jana hatte das schon im Voraus für uns gebucht. Es hieß Барбарис, war klein, und in einem Hinterhof, aber wirklich niedlich, billig und sehr zu empfehlen!
Von dort aus sind wir dann immer in die Stadt gefahren.

Und trotz aller Vorsicht brachte uns unsere erste Fahrt in die Innenstadt gleich auf den Majdan. Der und die hinführende Chruschtschatik-Straße waren tatsächlich verbarrikadiert und mit behelfsmäßigen Buden und khakifarbenen Zelten bedeckt. Ukrainer zelteten dort, machten kleine Feuerchen und sahen allgemein eher gesellig als demonstrierend aus. Alles war friedlich, wirkte eher wie ein Basar oder ein großes Fest. Wir waren sofort von der Stimmung und dem Ambiente begeistert, kauften ab und zu Glühwein und haben auch mal Sushi in einem Sushi-Restaurant gegessen. Sehr lecker und auch nicht teuer. Beide waren wir der Meinung, och, so eine friedliche Revolution, so eine Demo gegen die Regierung, das ist doch sehr gemütlich, so was sollte man öfter mal machen. Keiner von und konnte ahnen, dass die Lage auf dem Majdan so eskalieren würde, wie es vor einigen Wochen der Fall war!

Eigentlich haben wir fast jeden Tag den Majdan besucht, dort gab es immer was zu sehen: Leute spielten Klavier, verkauften Glühwein, diskutierten, veranstalteten Vorlesungen, verkauften kleine Flaggen oder Bändchen der Ukraine oder der EU, überall waren Plakate oder Karikaturen über Janukowitsch & Co. Aber von Gewalt, Faschisten oder ähnlichen Dingen keine Spur!

Wir haben außerdem noch andere Sehenswürdigkeiten in der Stadt besucht, z.B. die riesige "Mutterland"-Statue, viele verschiedene schöne Kirchen und Schlösser im typisch ostslawischen Stil. Der Freund einer Freundin von Jana hat uns mal die halbe Stadt gezeigt. Die ist in der Tat sehr sehenswert.
Uns das Essen war auch toll: entweder im Café hinterm Hotel oder irgendwo in der Stadt, z.B. im "Bruce Lee", einem unglaublich leckeren Chinarestaurant in Majdannähe. Leckeres Essen ist ja immer so lecker! ;)

Und Silvester/Neujahr? Da wollten wir den Troubel meiden und haben den Jahreswechsel deshalb in einem sogenannten Anticafé verbracht: rauchen und trinken sind dort nicht erlaubt, aber dafür gibt es reichlich Kekse, Tee, Kaffee und Spiele, sowie nur nette Leute! Man zahlt dafür nur ein paar Cent (bzw. Kopeken) pro Minute.
Nach ein paar Runden Jenga und Mafia (auf Russisch!) war dann auch fast Mitternacht und einige planten, trotzdem raus auf dem Majdan zu gehen und sich dort die Show anzusehen. Also gingen wir mit. Tausende Leute, halb Kiew, war auch dort, bevölkerte jeden Quadratmeter. Jana und ich mittendrin. Feuerwerk gab es nur aus der Ferne zu sehen, gut, aber eine Lasershow gab's und eine Liveshow war auf einer Leinwand zu sehen. Dann der Countdown auf Ukrainisch und dann wurde von allen die ukrainische Hymne gesungen. Jana und mir war es fast peinlich, diese nicht zu können, aber woher auch? Bei "PC Globus" damals auf meines Vaters 3/86er (mit Turbotaste um von 8 auf 16 kHz umzustellen!) gab es die Ukraine ja noch nicht! Jedenfalls haben auch wir dann allen З новим роком! gewünscht. :)
Einer, den wir dort kennengelernt hatten, und der unter anderem Zeichner war, fand und beide wohl sehr niedlich und hat und dann gezeichnet – das Bild ist unglaublich treffend und putzig und ist jetzt bei mir zu Hause. War ein tolles Silvester!

Am vorletzten Tag haben wir dann auch einige Esperantisten in Kiew besucht, die eine kleine Neujahrsfeier veranstaltet haben. Es gab Tee, Kuchen, Spiele und viel zu erzählen. Wir haben auch einiges über die Ansichten der Ukrainer über die Demonstrationen erfahren.

Alles in allem war es eine tolle Idee und wir sind froh, und dafür entschieden zu haben. Jetzt verfolgen wir beide Nachrichten über die Ukraine mit noch viel mehr Anteilnahme... denn irgendwie waren ja auch wir mit dabei.

Ich würde gerne viele Bilder verlinken, aber ich sitze im Auto auf dem Rückweg aus Bamberg. Bei Facebook habe ich aber ein Kiew-Fotoalbum mit allen Bildern. Seht sie euch an! :)

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