| André ( @ 2008-04-09 13:09:00 |
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LSSLD und meine 1. Uniwoche
Ich sitz grad im MPI und werd auch nachher gleich anfangen zu arbeiten. Aber jetzt erstmal ein kurzes Update.
Letzte Woche war also die "Leipzig Spring School on Linguistic Diversity" (LSSLD) hier in Leipzig. Die ersten drei Tage war ich nicht da, da war ich ja in Göttingen, aber den Rest der Woche ja. Eingeteilt war ich für den Bereitschaftsdienst im Büro (aka Fachschaftsratsraum) in den Mittags- und Nachmittagspausen sowie als "Aufpasser" für die Vorlesungen von Søren und Herrn Bickel.
Früh war immer Quantitative approaches to lexical comparison von Herrn Cysouw, da wollte ich eigentlich hin, aber es war mir immer zu früh, da hab ich's ausfallen lassen. Außer einmal, das war dann doch ganz interessant. Aber ich war leider noch nicht so ganz aus dem Ferientrott raus. Naja.
Um die Mittagszeit hielt Søren Wichmann dann seine Vorträge über Quantitative approaches to language change — mit anderen Worten: unser ASJP-Projekt (Automated Similarity Judgment Project). Ich hatte vor der 1. Vorlesung alles vorbereitet, Beamer und Dozentenwasser und Tafel und Licht und so, doch der Dozent fehlte. Alena kam dann auf die Idee, ihn auf dem Handy anzurufen (ich hatte seine Nummer nicht), und siehe da: Søren war noch in Dänemark und hatte völlig vergessen, dass an jenem Montag schon sein Kurs anfing. Hätte mir genauso gehen können, eigentlich. Die folgenden Tage war er dann aber da und es war wirklich interessant! Ich hab auch Dmitry Egorov getroffen, der auch bei ASJP mitarbeitet. Am Mittwoch haben wir uns dann auch im MPI getroffen, um einige Dinge zu besprechen und die Daten mit einer Gruppe von Russen zu vergleichen (Oleg Belyaev und seine Kolleginnen Natasha und Yulia). Das war etwas konfus, aber durchaus auch irgendwie lustig.
Herrn Bickels Seminar hieß Understanding typological distributions, was auch recht interessant klingt, aber irgendwie dann doch sehr stochastisch, statistisch und technisch war. Hatte da so meine Schwierigkeiten, dem zu folgen und wurde dann auch entsprechend müde. Aber naja.
Danach gab's die interessanteste Vorlesung von allen, würd ich sagen: David Gils How different can languages be? — ich hab's v.A. besucht, weil's um Pirahã gehen sollte, aber es stellte sich heraus, der Part über Indonesisch und Tagalog war viel interessanter. Es ging nicht darum, was Sprachen so tolles exotisches haben können, sondern eher darum, was manche Sprachen nicht haben, was sonst ganz verbreitet ist. Bei Pirahã eben die Rekursion (übrigens war Eugenie Stapert mal bei den Pirahã, wow!) und bei Indonesisch, ähm, fast alles. Eigentlich ist Indonesisch ja SVO, aber im Prinzip kann die Reihenfolge alle 6 Permutationen haben, was besonders schwierig ist, da Indonesisch ansonsten nicht viel Morphologie hat. Tjaja, und weglassen kann man im Prinzip auch alles unwichtige, auch die Relativsätze einleitende Partikel yang, sodass kurze Sätze wirklich wirklich alles heißen könnten. Vielleicht ein Grund, warum ich damals im Indonesischunterricht bei Esie immer eine 1++++ gekriegt habe.
Ich war auch nur zu einer Evening Lecture: Associational semantics and the typology of isolating languages, auch von David Gil, und auch sehr interessant und spannend. Danach gab's Essen im Bayrischen Bahnhof, wo Sarah, Luise und ich mit einem Iren (Conor?), einem Hebräer (טל), zwei Italienerinnen (Francesca & Sara) und einer halbukrainischen Französin (Nadia) sozialisierten. War lustig!
Und auf dem Nachhauseweg traf ich dann noch Thomas Wier und Helena Metslang. Ich wusste erst nicht, woher sie war, und wir sprachen Englisch, aber als sie sagte "Nürnberger Straße", frug ich sofort, ob sie aus Finnland wäre – wegen des Akzents, das klang sooooo Finnisch! – und siehe da: Sie ist Estin. Das war lustig. =)
So. Das war eben die Spring School. Am Ende wurde auch nochmal den Helfern (aka uns) gedankt und wir bekamen ein Zertifikat und eine orangene Rose. Schön schön. Nun zu dieser Woche:
Zwischen Wochenende und Gestern habe ich meine Hausarbeit über Zhuang endlich vollendet! 26 Seiten brutto sind's geworden, hab sie vorhin abgegeben, der Herr von Franz hat sich gefreut und ich hoffe, eine gute Note zu bekommen. Malŝaŭen...
Am Montag war der 1. Unitag im 8. Semester für mich. Fing an mit dem Übersetzungskurs Chinesisch-Deutsch bei Frau Buchta. War ganz okay. Dann eine ewig lange Pause, in der ich im MPI war, und dann "Strukturkurs: Baure" — das ist eine moribunde Arawak-Sprache aus Bolivien, nur noch von 13 Leuten gesprochen. Wir waren 9 Leute im Kurs, glaub ich... naja, erzähl ich ein andermal mehr von. Am Abend waren dann Lisa und Melanie bei mir — wir wollten eigentlich was kochen, haben uns dann aber für einen Bringdienst mit asiatischem Essen entschieden und die ersten 4 Folgen von Prison Break (total toll!) und die erste Folge von Supernatural (superlangweilig!) geguckt.
Am Dienstag hatte ich Chinesische Kultur- und Geistesgeschichte II bei Herrn Filipiak, diesmal in der Brüderstraße in einem alten DDR-Gebäude. Herr Filipiak hat es als historischen Ort bezeichnet, weil er da früher als Student mal Sport drin hatte. Uiuiui. Danach hab ich etwas Zeit bei Lehmann's (Bücherladen) verbracht) und bin dann zum proppenvollen Kurs Phonologische Domänen gegangen, den ich aber nicht mehr besuchen werde. Zu viel Arbeitsaufwand und zu viel Optimalitätstheorie. Und zu viele Menschen außerdem.
Aber am Abend waren Liesa, Helen, Hanne, Tina und ich dann beim Sprachenabend (Soirée Polyglotte) in der VILLA. Wir haben einen Esperantotisch gebildet und tatsächlich auch Esperanto gesprochen. Toll! Und wir wurden von einem englischsprechenden Polen für Radio Mephisto interviewt. Das könnte peinlich sein. Ich hoffe fast, es wird nicht gesendet. Von Helen hab ich die erste (neue) Doctor-Who-Staffel auf DVD ausgeliehen bekommen, whee! Und Hanne hat mir ihre Nasenflöte (tjaja, alternative Musikinstrumente) gezeigt, coole Sache das! Ich werd mir nachher auch eine zu kaufen versuchen.
Tina und ich sind danach ins MPI gefahren, weil sie's mal sehen und ich meine Hausarbeit ausdrucken wollte. Letzteres hat aber nicht recht geklappt, weil die Cyanpatronne alle war. Naja, musste's mein Vater machen.
So. Das war's. Über heute schreib ich heute Abend oder so. Meinen Stundenplan muss ich auch mal hochladen. Ciao!
P.S.: Dürüm schmeckt genau wie Döner, ist aber 1. wesentlich einfacher zu essen und enthält 2. eine sehr viel homogenere Mischung aus Gemüse und Fleisch. Sehr zu empfehlen.