André ([info]n_true) wrote,
@ 2005-01-18 16:27:00
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DJ Leppäkerttu vs. LaLa Döner
Montag
Nach Geschichte & Gesellschaft und einer ganz netten Stunde Modernes Chinesisch bei Frau Zhao (bzw. Weiwei) bin ich nach Hause. Im Bus (ich glaube, das war aber schon 'ne Weile her) hab ich eine Vietnamesin mit ihrem kleinen Kind gesehen und mir sind einige Fragen in Bezug auf Kinder mit tonalen Muttersprachen (also vorzugsweise Chinesisch und Vietnamesisch) gekommen:

a) Wann lernen Kinder, mit Tönen korrekt umzugehen? Lernen sie diese automatisch mit den ersten Wörtern mit?
b) Enthält das Gelallte in der Lallphase bereits explizit die Töne der Muttersprache? Man sagt ja, dass Kinder in der Lallphase den Tonfall der Erwachsenen nachahmen. Gilt das also auch für Töne?
c) Haben Kinder die gleichen (bzw. ähnliche) Probleme mit den Lauten, die uns auch anfangs recht schwierig erschienen? Also z.B. q, x, j, ch, zh, sh, c, s, z?
d) Können Kinder die Chinesisch oder Vietnamesisch als Muttersprache haben schneller Drei- und Mehrwortsätze bilden als Kinder "europäischer" (d.h., flektierender oder agglutinierender) Sprachen? Schließlich ist es ja dort einfacher, einen Satz zu bilden, da es praktisch keine Morphologie gibt.

Tja... sowas geht mir halt durch den Kopf, wenn ich vietnamesische Mütter mit ihren Kindern spielen sehe.

Nunja. Ich musste am Abend dann nochmal hin, zu Sprach(en)tod. Im Bus hab ich dann Jenny Trompler getroffen — die leicht lispelnde Freundin von Lisa.
Nach Sprach(en)tod gab's wieder Fachschaftsratssitzung. War ganz amüsant, das. Ich hatte zuhause Streuseln gemacht (jaaaaaa, und zwar selber!) und so hatte ich da wenigstens was zu futtern. Außerdem wurden von mir einige von Verenas Mandeln vertilgt. Yum. Achja, Verena und Lennart hab ich meinen Sächsische-Wörter-Fragebogen abgefragt und hab mich total zerbastelt als Lennart meinte, er kenne das Wort "muchten" (= stinken) nicht, aber ihm wären mal irgendwo die Wörter "Muchbude" und "Muchkeller" untergekommen. Ich fand das so lustig, musste dabei an Maria denken, die das auch ständig sagt. ^^

Kathi war übrigens in Estland. Total cool, das. Irgendwie hatte ich da garnicht mehr dran gedacht. Sie findet auch, dass Estnisch einfach nur total witzig ist. Dass die Bewohner nicht ständig lachen müssen, beim Sprechen... tzesses. Jedesmal wenn sie sowas wie "reisibüüro", "prillid", "põder", "öö", usw. sagen. Lennart, Kathi, Verena und ich haben uns dann entschlossen, einige Döner zu tilgen, also sind wir zum nächstgelegene LaLa-Döner-Stand (komischer Name; aber die Döner waren besser als nur "so lala") und danach zum Essen zu Verena. Dort haben wir "Elektropop" gehört, uns ausgiebig über die Unterschiede von Männer- und Damentoiletten unterhalten und über die alten Zeiten geredet, wo wir garnicht dabei waren. Lennart meinte, er findet es immer total widerlich, wenn er auf's Klo geht und es ist besetzt und ein Mann kommt raus und er denkt ah, endlich frei, und dann kommt da noch ein Mann raus. Wuah.
Ich hatte nicht auf die Zeit geachtet und musste dann quer durch die Stadt zum Bahnhof hetzen. War ich vielleicht fertig, boah. Aber war irgendwie total cool. Wäre auch noch länger geblieben... aber um 2 erst ins Bett zu fallen ist schon spät genug.

Dienstag
Naja, bisher war noch nicht so viel los. Hatte Modernes Chinesisch, was heute extrem lustig war. Stephi und ich haben uns total über "leppäkerttu" (Marienkäfer bzw. Mohtschekiebchen auf Finnisch) lustig gemacht und fanden, dass das ein cooler Bandname für eine Heavy-Metal-Band wäre.
Leppäkertttttttttttttuuuuuuuuuu!!! Uhmz uhmz uhmz...
Krass. Allein schon die Vorstellung von einem feelerbangenden Käfer.
Aber irgendwie war mir dann wie ä bissl schlecht. Wahrscheinlich von den Streuseln, den Mandeln, dem Döner und dem Eis von gestern Abend, oder weil ich am Morgen Milch und Saft getrunken hatte.
Bei Landeskunde war's nicht besser, ich konnte mich kaum konzentrieren, weil's mir wirklich übel war. Vielleicht war der Döner doch nur so lala. Aber es ging. Die Stunde war ausnahmsweise ganz interessant, ging um Hongkong. Und, man lese und staune, Herr Dr. Meyer, der Meister des dritten Tones, hat heute "geprägt" gesagt! Und nicht "gepräächt", wie sonst immer. Ich wäre am liebsten aufgesprungen und hätte gerufen: "Wer sind Sie und was haben Sie mit Dr. Meyer gemacht?!"

Danach ging's dann heim, ich hab mich gleich ins Bett gelegt, weil's mir halt immer noch komisch war. Hab dann ca. 3 Stunden geschlafen. Jetzt bin ich wieder wach, es geht mir bauchmäßig wieder prima, nur Augenschmerzen hab ich jetzt, was aber normal ist, wenn man zu so komischen Zeiten so unregelmäßig schläft.
Ich fahr dann zu inselLaura, und wir gehen heute wahrscheinlich mal wieder auf'n Sprachenabend. Yay. ^^

Zwei Sachen noch:
1. Das Mädel mit der Brille, mit der ich neulich mal in der Mensa essen war, scheint Sophie zu heißen.
2. "Odenwälder Ofenrohre" heißt auf Hessisch "Ourewelle Ouweroue", klingt irgendwie Dänisch. ;)

Quote of the Day
(bitte nicht missverstehen wenn ich das lustig finde, was eine Nichtdeutschmuttersprachlerin für Fehlerchen macht... es klingt nur niedlich)
• Weiwei: "Vielleicht erste Wort ihr liest ma', und dann ich guck ma'..."
• Weiwei: "In der Vokabelliste: yìdiǎnr, aber hier im Text... weg!"




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[info]joschi
2005-01-18 07:40 am UTC (link)
was sind denn Streuseln? ;)

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[info]n_true
2005-01-18 01:06 pm UTC (link)
Na das was man auf Streuselkuchen macht, oben drauf das. Ist lecker. Ich ess das gerne ohne Kuchen und ungebacken. ^^

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[info]joschi
2005-01-19 05:00 am UTC (link)
achso, ich wusste nicht, dass das geht ;)

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[info]elgrande
2005-01-18 09:00 am UTC (link)
"Schließlich ist es ja dort einfacher, einen Satz zu bilden, da es praktisch keine Morphologie gibt."

Ich meine gelesen zu haben, dass nicht.
Auf jeden Fall sind ja dann die Regeln für die Wortstellung auch i.d.R. strenger.

"c) Haben Kinder die gleichen (bzw. ähnliche) Probleme mit den Lauten, die uns auch anfangs recht schwierig erschienen? Also z.B. q, x, j, ch, zh, sh, c, s, z?"

s? Ist das nicht [s]?

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[info]n_true
2005-01-18 01:11 pm UTC (link)
Hm naja... bei längeren Sätzen schon. Aber wenn man kurze Sätze formuliert, sollte das auf Chinesisch leichter sein, da man da nicht auf Artikel, Deklination oder Konjugation achten muss. Aber vielleicht wird das ja von den Tönen wieder nicht-wett gemacht. Würde gerne mal eine Studie darüber lesen...

Und das s habe ich nur der Vollständigkeit mit ½er aufgelistet.

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[info]elgrande
2005-01-18 01:36 pm UTC (link)
"Aber vielleicht wird das ja von den Tönen wieder nicht-wett gemacht."

Vermutung: Ich würde mir vorstellen, dass sich Europäer da viel zu viel bei denken und dass Töne nichts ungewöhnlich Schwieriges für Kinder sind..

Bei uns lernen ja Kinder auch unproblematisch, dass sie immer am Ende von bestimmten Fragen die Stimme anheben müssen, was vielleicht einen Finnen verwundern würde. Oder auf welcher Silbe in einem Wort die Betonung liegt, was einem Franzosen vielleicht ungewöhnlich vorkommt. Oder ob ein Vokal lang oder kurz ist.

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[info]n_true
2005-01-18 02:09 pm UTC (link)
Stimmt... da hast du wahrscheinlich recht. Wer sein Lebtag ohne Töne auskam und dann plötzlich in die Quadrotonie des Chinesischen geworfen wird, hat da sicherlich mehr Schwierigkeiten ("Huddeleien", wiemer off Säggs'sch sacht) als ein kleines Chines'chen.

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[info]zwirbel
2005-01-18 12:00 pm UTC (link)
übrigens hat mich mein chinesisch-tandem-partner heute darauf hingewiesen, dass der gebrauch von "yìdiǎnr" im lehrbuchtext falsch ist. "ein bisschen fernsehen" bezeichnet einen zeitraum (= unzählbare einheit), und da wird dann wohl immer "yìhuìr" benutzt. (gebildet mit dem schriftzeichen für können, huì) - zum herausfinden, ob das yi dann im vierten oder zweiten ton ist, bin ich jetzt zu faul...

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[info]n_true
2005-01-18 01:14 pm UTC (link)
Ah verstehe (glaub ich). Bei "ein bisschen fernsehen" wäre das Wort ja im Prinzip ein Adverb und kein Nomen. Mächte Sinn... vielleicht solltest du das morgen mal Frau Buchta unterbreiten.

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[info]tsukikage85
2005-01-19 08:19 pm UTC (link)
Forgive my not replying in German - it's far too late to make myself not sound like an idiot.
It would be my assumption that tones are the same as any other element of phonology, and would be learned at the same pace. I think you mentioned something about speech difficulties (the type that children take speech therapy for) - I'd be interested in finding out if there are indeed children who need speech therapy to master tones... For that matter, are their children who need to be trained in voicing/de-voicing?
I didn't know that Vietnamese was "lacking" in morphology...

A quick German question: what does "bzw." mean?

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[info]n_true
2005-01-20 06:06 am UTC (link)
I don't know if "lacking in morphology" was the right term. But words don't change in Vietnamese. It's practically the same as Chinese, only written with Roman characters.
As for the rest, yes, you might be right on that. I actually don't mean children who need speech therapy, but the little mistakes every child does during the process of acquiring its first language... Children of other languages tend to mis-inflect words or use wrong expressions or pronounce certain phonemes different, which usually corrects itself later...

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[info]n_true
2005-01-20 06:06 am UTC (link)
Oh and "bzw." is "beziehungsweise" which means 'respectively' (but it's put inbetween the two contrasted words, so it's not quite the same).

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