Die 43. StuTS in Amsterdam
MITTWOCH
Am Mittwoch trafen wir uns also gegen 11:11 am Bahnhof, ich hatte noch Essen eingekauft und Luise bei ReWe getroffen. 11:42 ging dann der Zug los gen Amsterdam. Die StuTS fand zum ersten Mal in den Niederlanden und damit im nichtdeutschen Ausland statt. Leipzig war mal wieder stark vertreten, 12 Leute per Zug und dann kamen noch ca. 2 oder 3 anderweitig dazu (z.B. Juliane B. und Heyka K. vom MPI). Wir, die wir zusammen hinfuhren, waren zumindest Anja B., Luise D., Robert "Bob Fox" F., Tina G., Benjamin G., Johannes "Joha" H., Florian "Flo" H., André "ich" M., Patrick S., Annkathrin "AkW" W.,
Gegen Abend kamen wir also in Amsterdam an und suchten die Faculteit der Geesteswetenschappen* von der Universiteit van Amsterdam auf, wo wir die ersten zu sein schienen und noch etwas warten mussten. Machte aber nichts, denn es kamen bald noch mehr Leute und ein extrem niedlicher kleiner Hund, der sich auch prompt streicheln ließ und dies mit zärtlichen Bissen dankte. Wie putzig! In einem Hörsaal waren dann alle versammelt und bekamen die ersten Instruktionen des niederländischen Orga-Teams (auf Englisch) samt des Willkommensbeutels und einer Holzklammer ("een knijper"), der als Namensschild dienen sollte.
Dann ging's nach einer kurzen Esspause in der Stadt (das Essen kostet dort ca. das Anderthalbfache bis Doppelte wie hier!!!), auf in die Bungalows — auf eigene Faust! Der Weg war endlos lang und beschwerlich und auch sehr verwirrend. Wir haben uns einige Male verlaufen, denn untergebracht waren wir auf einem Campingplatz ("Amsterdamse Bos") ganz im Süden, und zwar in winzigen Häus;chen zu je 8 Personen. Krass! Naja, nach einigen Stunden kamen wir dort auch an, entzückt von den vielen Kaninchen auf dem Campingplatz, aber enttäuscht von den Unterkünften: winzig, mit Gummimatratzen, heiß (aka schlecht/nicht klimatisiert), Duschen nur mit Duschmarken zu je EVP 0,80 €. Man munkelte schon, es könnte furchtbar werden... aber dem war gottseidank nicht so.
*) Warum "der"? Ein obsoleter und literarischer Genitiv? Ich hätte "van de" erwartet.
DONNERSTAG
Am nächsten Morgen gab's Frühstück im Küchen-/Esshaus des Platzes, leider keine Cornflakes, dafür aber annehmbarer niederländischer Nutella-Ersatz und Milch. War also nicht schlecht, wenn auch anders als sonst. Hatte irgendwie was von Urlaub. Mit der Metro bzw. dem Bus ging's dann in die Stadt rein... das dauerte schon so seine 45 Minuten und kostete pro Person 4 "strippenkaarten". Auf dem Weg zur Uni (woanders als die Faculteit vom Vortag), sahen wir das schöne Amsterdam... Grachten, Boote, schmale aber hohe lustig schiefe Häuser, Fahrräder und viele Niederländer. Die erste Vorlesung war gleich von einem Leipziger: "The Yurok language" (Patrick S.), war ein bisschen schlecht vorbereitet und wirkte ein wenig konfus. Danach kurze Pause und Kaffee und Brötchen und gefrorene Äpfel. Dann der nächste Vortrag: "K(l)icks and Quirks in Taa (Southern Khoisan, Namibia)" (Juliane B. & Nadine B.) — der war wirklich sehr interessant und auch gut besucht. Man hat einiges erfahren über !Xóõ, nicht nur über seine Klicklaute. Dann wieder 'ne Pause, ein Vortrag über starke Konjugationen und dann kam Paul Boersma, der Miterfinder und -programmierer von Praat zu Wort. Er wollte über Phonetik erzählen, sprach aber dann doch über was anderes... nicht uninteressant zwar, aber übertrieben lange. Bin eingeschlafen dabei. Der 5-minütige Phonetikteil am Ende war aber recht nett... darüber, dass die Niederländer weder [s] noch [ʃ] hätten, sondern eher sowas wie [ɕ] (oder vll. [ɕʷ]?), das etwa in der Mitte liegt, und wodurch der Satz "I'm sitting on the couch" leicht misszuverstehen ist. Ein hübscher Lacher.
Danach war Freizeit, und wir sind durch Amsterdam gelaufen. Ich war die Tage meistens mit Tina unterwegs, oft auch mit Benjamin und AkW, teilweise auch mit Flo. Tina und ich haben einen lustigen Fastfood-Stand gefunden, bei dem's Burger und Sandwiches in einer Art Automat gab, der von einem Mann, der dahinter gefangen zu sein schien, immer wieder aufgefüllt war. Sehr lustige Angelegenheit, das. Aber die Burger waren lecker und mit 1,60 € auch gar nicht so teuer (für die Niederlande). In der Nähe des Bahnhofs saßen wir dann neben einer Asiatin mit einem Sanskrit-Tattoo: न प्रतिगार्गं पश्यसि प्रतिगृहितुमर्हसि / Na pratigārgaṃ paśyasi pratigṛhitumarhasi — kann das jemand übersetzen??? Am Abend saßen wir dann alle noch vor unseren Bungalows und haben geredet und so.
FREITAG:
Der erste Vortrag war "Gäste, Wörter and Wägen: Umlaut as a plural marker in German" (Kristin K.), den fast keiner Besucht hatte — zu Unrecht, wie ich fand, es war einer der besten. Vor allem ging's um die Entstehung der Umlaute in den Deklinationen und Pluralbildungen im Deutschen. War glaube ich auch der einzige Vortrag, der auf Deutsch war. An die beiden nachfolgenden Vorträge kann ich mich schon nicht mehr erinnern, bin da wohl bei beiden eingeschlafen... achja, vor allem beim zweiten (irgendwas mit Spracherwerb und Defiziten). Als ich wieder aufgewacht war, wies mich Tina darauf hin, dass außer mir noch 6 andere Leute friedlich entschlummert waren, darunter auch Kristin. Hihi.
Dann ging's in den Amsterdammer Zoo! Und der war richtig toll! Fast sogar besser als unsrer hier in Leipzig. Tolle Tiere, toll angelegt, ein riesiges Insektenhaus und die Tiere waren irgendwie näher an einem dran, fand ich. Da Tina und ich uns von Anfang an einander verloren gegangen waren (sagt man so?), bin ich eher mit Luise Z. herumgezogen und hab die Gehege unsicher gemacht. Ja, es gab schon tolles Getier da. Als wir durch waren, traf ich dann doch noch auf Tina. In einem Park in Grachtennähe ließen wir uns nieder und verschnoffen noch ein wenig. Dann ging's wieder heim. Tina und ich haben dann noch mit einem Simon von anderswo Scrabble gespielt. Ich war stolz darauf, "Sinfonie" legen und alle meine Steine loswerden zu können. "Unsexy" brachte irgendwem aber noch mehr Punkte.
SAMSTAG:
Erster Vortrag des Tages war "News from field work on Ikaann (Benue-Congo, Nigeria)" (Nadine B.), und der war wirklich extrem interessant! Feldforschung eben. Ein Erfahrungsbericht, was haben Nadine und ihre Freundin so in Nigeria erlebt, was musste sie vorbereiten, wie sah so der Tag eines Feldforschers aus, Schwierigkeiten, Informanten, die Sprache an sich und dann auch noch generell etwas über das Numeralsystem des Ikaann. Und als wäre der Vortrag nicht schon interessant genug, kam danach ein Spanier mit noch einem interessanten Thema, das ich grad nicht zu Hand hab. Es ging aber um die Reduktion von syntaktischen Strukturen bei automatisierter Sprachverarbeitung, wörtliches Verstehen und Zuhilfenahme der Syntax seien hier nicht das wichtigste, sondern eher die Wahrscheinlichkeit der auftretenden Wörter, anhand der bereits gesprochenen... und die statistische Relation der Wörter im Satz. Ach wie soll man das erklären. Es machte zumindest viel Sinn. Ich glaube, die meisten waren sehr positiv überrascht.
Dann ging es wieder einmal durch die Stadt, auch in Bücherläden, wo ich mich mit einigen Büchern eindeckte, zu denen ich später noch kommen werde. Etwas Zeit verbrachten AkW, Benjamin, Tina und ich dann am Hafen. Für den Abend wurde entschieden, zu grillen. Leider stellte sich heraus: Es gibt keinen Grill auf dem Campingplatz! Da musste das mitgebrachte Essen eben in der Pfanne auf dem Gasherd gemacht werden. Auch gut.
Und zum Ausklang des Abends und der StuTS an sich gab's eine Party irgendwo, wo wir erstmal hinkommen mussten. Das erwies sich aber als nicht schwierig, denn die Amsterdammer hatten Wegweiser per Kreide auf den Boden geschrieben... lustige und linguistische obendrein. Eins davon wies zum städtischen Gefängnis mit den Worten functional grammar, während bei generative grammar der Weg weiterführte. Die Party selbst war dann ganz nett, der Leute wegen (v.A. Tina, Kristin, Benjamin, Lingling, usw.), nicht wegen des DJs mit seiner grottenschlechten Musik. Nicht einmal "Wat zullen we drinken?" konnte er bei sich finden. Fohrschbar! Nadines Vortrag über ihre Feldforschung wurde dann auch tatsächlich für den besten gekürt. Zurecht!
Die Heimfahrt war interessant und anstrengend. Etwa zu 35st ging es gen Bushaltestelle, doch da war der Bus grad weg. Wir harrten also des Busses, der da kommen würde, worauf ein Mann in einem Auto vorbeifuhr und anhielt, laut rief: "What happened to you?!" und dann weiterfuhr. Später kam er dann noch einmal aus der anderen Richtung, machte eine Vollbremsung und frug erneut: "Tell me what happened to you... NOW!", dann raste er fort. Wir dachten schon, er fährt uns alle über den Haufen! Aber es blieb abenteuerlich: Der Bus brachte uns irgendwohin, wo wir umsteigen mussten. Das war saukompliziert, denn ein Teil musste bezahlen, während der andere gratis mit einem anderen Bus fahren konnte. Es war alles sehr konfusierend. Irgendwo in der Pampa angekommen, mussten wir dann noch ca. 30 bis 40 Minuten laufen, wenn nicht länger. Das war schon irgendwie alles etwas seltsam. Die Heimfahrt in die Bungalows dauerte etwa 3 Stunden, glaub ich. Mindestens!
SONNTAG
Letzter Tag. Taschen packen, Zimmer ausfegen, ein letztes mal noch duschen (wenigstens warmes Wasser!), sich von allen verabschieden, Frühstücken und dann ging's los. Da unser Bus aber erst 16:32 oder so fuhr, hatten wir noch Zeit in Amsterdam. Ich und einige andere sind dann nochmal zum Markt und ich habe noch mehr Bücher erstehen können. Die Heimfahrt mit dem Zug war dann nicht ganz so angenehm, da wir den Wagon mit einer betrunkenen Horde 40-jähriger Fußballfans teilen mussten... naja, wie solche Leute eben so sind. Schlimm. Zwischenstopp gab's in Berlin auf dem unglaublich riesigen Hauptbahnhof, und gegen 3:00 kamen wir dann in Leipzig an, wo sich Luise D. dann unfreundlicherweise (was anderes ist man von ihr aber eh nicht mehr gewohnt) aus dem Staube machte. Für mich ging's weiter mit Nachtbus und dann zu Fuß, so dass ich etwa um 4:30 daheim ankam und müde ins Bett fiel.
Bilanz: Es war super! Ich habe zwischendurch immer mal versucht, Oscar Debats zu erreichen, den ich von diversen Esperanto-Treffen kannte, doch der war leider nie zuhause. Sehr schade. Eine große Ausbeute an Büchern und anderen Objekten habe ich machen können:
- Ein Azerbaijani-Wörterbuch
- Ein Nepali-Wörterbuch (da hieß es noch "Gurkhali") — das Buch ist übrigens ex libris George van Driem!!!
- Ein "Dictionary of 1000 Chinese Idioms" (成语)
- "Terug naar de jungle", was ich mal lesen möchte, leider ist's das 2. Buch, also hab ich mir das 1. Buch ("Dochter van de jungle") noch dazu bestellt
- "לידער, באלאדעס, פּאָעמעס" — ein Gedichteband auf Jiddisch!
- Etwas über ein Dutzend ausländische Münzen vom vlooienmarkt
- Tulpenzwiebeln für meine Mutter zum Muttertag
Zuhause angekommen durfte ich auch meine neu erworbene Sumerischgrammatik in die Arme schließen. Besonders toll geschrieben ist sie zwar nicht, aber beim Lesen merke ich schon, dass sie praktisch nicht das geringste mit der ungarischen Grammatik gemein hat. Ich werde öfter ans Klingonische erinnert, als ans Ungarische. In your face, nostraticians!
Niederländisch ist auch lustig, ich habe die Grammatik fast durchgelesen, habe aber in Amsterdam kaum üben können, da die Leute dort alle Englisch und/oder Deutsch konnten. Deswegen warte ich sehnsüchtig auf Dochter van de jungle, damit ich mal was auf dieser lustigen Sprache lesen kann. Ich stellte allerdings fest, dass Lesen viel viel leichter ist, als gesprochenes Niederländisch zu verstehen, auch wenn man die Phonologie kennt... wir werden sehen.
Eine Reihe von Fotos kann man sich ansehen, wenn man im StudiVZ angemolden ist:
Meine Fotos
Einer Constanze Fotos
Tinas Fotos
Florians Fotos
Die nächste StuTS findet dann im November in Münster statt (vielleicht hättest du Interesse, dabeizusein,
Einige unvergessliche Sprüche und "Überwörter":
"Overstappen op streekvervoer"
"It's all written in the book!"
Spacken (v).
Totmummeln (v).
Sappiger Astralpöker (n).
So, und nun noch ein kurzer Bericht zum Konzert von den Squibs, in Leipzig, neulich! Whoo! Ich war mit 

